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Kartoffel-Strategie

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Wissenschaftlich - Praktisch - Kulinarisch

Diese Vorstellungen wollen wir diskutieren und Ideen und Vorschl├Ąge weiterer "Kartoffelverr├╝ckter" einflie├čen lassen.

Kartoffel-Strategie
Vorschl├Ąge f├╝r eine Kartoffel- Strategie im Vogtland
Der Vogtl├Ąndische Knollenring e.V. hat sich am 16.09.2009 gegr├╝ndet.
Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht:


- Die Erforschung des Kartoffelanbaues im Vogtland
- Fragen der gesunden Ern├Ąhrung
- Die touristische Vermarktung der Kartoffel und
- Barrierefreie Wanderwege

Die enge Bindung unserer Mitglieder an ihre vogtl├Ąndische Heimat, das fachliche Wissen rund um die Kartoffel, die Geschichte des Kartoffelanbaues im Vogtland und das Potential, welches die Kartoffel als Bindeglied der verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche hat, haben uns veranlasst diese Vorschl├Ąge zu erarbeiten.

Die Kartoffel spielt seit Jahrhunderten eine herausragende Rolle in unserer Heimat. Seit 1675 (Lottengr├╝n) ist der feldm├Ą├čige Anbau im heutigen Vogtlandkreis aktenkundig nachweisbar. M├╝ndliche ├ťberlieferungen gehen bis in das Jahr 1647 (Pilgramsreuth im bayrischen Vogtland) zur├╝ck. F├╝r die Jahre von 1647 bis 1750 gibt es ├╝ber 70 aktenkundige Hinweise zum feldm├Ą├čigen Kartoffelanbau im Vogtland.

Das beweist, dass nicht der Preu├čenk├Ânig mit seinem Kartoffelbefehl vom 24.M├Ąrz 1756 die Kartoffel in Deutschland eingef├╝hrt hat. Die Verdienste des Alten Fritz um die Verbreitung der Kartoffel sind unbestritten, auch wenn einfache ├Âkonomische ├ťberlegungen und Zw├Ąnge den Ausschlag gaben.

Das Vogtland war f├╝r den feldm├Ą├čigen Kartoffelanbau in Deutschland das "Innovationszentrum". Damit hat das Vogtland ma├čgeblichen Anteil daran, die wachsende Anzahl der Industriearbeiter zu ern├Ąhren.

Auch heute k├╝nden vielf├Ąltige Aktivit├Ąten, von Kartoffelfesten, Kartoffelb├╝fetts, Kartoffelradtouren, Knollensteigfest und Kartoffellehrpfad von der engen Bindung der Vogtl├Ąnder zu dieser Frucht.

Der Vogtl├Ąndische Knollenring e.V. m├Âchte die geschichtliche Tatsache der Vorreiterrolle des Vogtlandes beim feldm├Ą├čigen Kartoffelanbau einem breiten Publikum zug├Ąnglich, nachvollziehbar und vor allem erlebbar machen. Damit kann das Vogtland um eine weitere "Attraktion" als Urlaubs- und Reiseregion bereichert werden. Die Errichtung des Kartoffellehrpfades "Vogtl├Ąndischer Knollensteig" mit Schautafeln und Wanderh├╝tten, die geschichtliche Aufarbeitung des Kartoffelanbaues im Vogtland sowie die Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen (u.a. der vielbeachtete Auftritt des Vereins auf dem Stand des Vogtl├Ąndischen Tourismusverbandes auf der Internationalen Gr├╝nen Woche 2013 in Berlin) sind Beleg f├╝r die vielen Aktivit├Ąten und F├Ąhigkeiten des Vereins.

G├╝ndels Kulturstall, ein aktives Mitglied im Vogtl├Ąndischen Knollenring e.V., hat sich in den letzten Jahren einen besonderen Namen bei der Sammlung und Kultivierung alter historischer Kartoffelsorten gemacht, und das weit ├╝ber die Landesgrenzen hinaus. Diese gro├če Kartoffelsammlung ist gleichzeitig Grundlage f├╝r eine au├čergew├Âhnliche musikalisch-kabarettistische Kartoffel- und Weinverkostung. Die Familie G├╝ndel und ihre Freunde konnten bisher fast 8.000 G├Ąste als Einzelpersonen, in Kleingruppen oder auch von Reiseunternehmen aus ganz Deutschland begr├╝├čen.

Wissenschaftlich

Kurzfristig
  1. Der Verein wird die Forschungsarbeit zur Historie des Kartoffelanbaues im Vogtland fortf├╝hren. Schwerpunkte sind dabei die Suche nach weiteren aktenkundigen Beweisen f├╝r den Anbau vor 1675 und die Darstellung des Zeitraumes von 1800 bis 2000. M├Âglichkeiten einer Projektarbeit mit Schulen im Vogtlandkreis sind zu pr├╝fen. Die Vertiefung und Erweiterung der Zusammenarbeit mit Universit├Ąten ist dabei anzustreben, mit dem Ziel Arbeitsthemen f├╝r Bachelor- und Masterarbeiten zu vergeben. Das betrifft die Historie, medizinische und ern├Ąhrungswissenschaftliche Aspekte der Kartoffel.
  2. Die M├Âglichkeiten einer Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut f├╝r Gesundheitsforschung sind in einem Gespr├Ąch mit Prof. Dr. Resch auszuloten. Unser Beitrag k├Ânnte in der gezielten Bereitstellung unterschiedlicher Kartoffelsorten und deren gezielten Anbau bestehen um bestimmte Rezepturen und Ern├Ąhrungsprogramme zur Unterst├╝tzung spezielle Therapien (Herz/Kreislauf, Diabetes, ├ťbergewicht) zu bef├Ârdern.
Mittelfristig
Der Vogtl├Ąndische Knollenring e.V. sieht einen Schwerpunkt seiner Arbeit im Erhalt der genetischen Vielfalt der Kartoffeln. Herzst├╝ck aller Aktivit├Ąten in G├ťNDELS KULTURSTALL ist die Sammlung alter historischer Kartoffelsorten. Seit 2004 haben die Studienfreunde und diplomierten Landwirte um Ulrich G├╝ndel fast 100 verschiedene Kartoffelsorten aus der ganzen Welt zusammengetragen und kultiviert. Diese konzentrierte Sortenvielfalt au├čerhalb von Genbanken ist europaweit nur sehr selten anzutreffen, zumal alle Sorten mit gro├čem Aufwand j├Ąhrlich aufs Neue kultiviert werden m├╝ssen. Bei den meisten Sorten handelt es sich um alte, nat├╝rlich entstandene Landsorten, die heute aufgrund geringer Ertr├Ąge, hoher Krankheitsanf├Ąlligkeiten oder ausgefallener Knollenformen und -farben modernen industriellen Anspr├╝chen nicht mehr gen├╝gen. Dem steht allerdings das wachsende Verlangen von Verbrauchern nach regionalen Produkten von umweltbewussten Erzeugern entgegen. Dar├╝ber hinaus wird der Kreis von Liebhabern alter Kartoffelsorten auch unter den Hobbyg├Ąrtnern von Jahr zu Jahr gr├Â├čer. Bester Beweis ist die von Jahr zu Jahr steigende Anzahl von Interessenten und Kunden, die diese ausgefallenen Sorten ├╝ber einen Online-Shop von G├ťNDELS KULTURSTALL beziehen.
  1. Eine der grundlegenden Schwierigkeiten, mit denen G├╝ndels zu k├Ąmpfen haben, ist die Tatsache, dass fast alle ihrer alten historischen Kartoffelsorten seit Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten oder teilweise auch niemals z├╝chterisch bearbeitet wurden! Oder anders gesagt, in den Knollen haben sich ├╝ber die vielen Jahrzehnte latente virale Krankheitserreger eingenistet, die bei der Vermehrung teilweise zu erheblichen Ertragsausf├Ąllen f├╝hren.
  2. Ein Ziel des VOGTL├äNDISCHEN KNOLLENRING e.V. und von G├ťNDELS KULTURSTALL ist daher, solche historischen Kartoffelsorten wie die VOGTL├äNDISCHE BLAUE oder REICHSKANZLER (in Zwickau von Wilhelm Richter mittels erstmals angewendeter Bl├╝tenkreuzung gez├╝chtet) , die nachweislich aus unserer Region stammen und zu ihrer Entstehungszeit auch international enorme Bedeutung erlangten, wieder als zertifiziertes und gesundes Pflanzgut zu verbreiten. Das bedeutet aber, dass sich dieses Pflanzgut strengen gesetzlichen Kontroll- und ├ťberwachungsmechanismen bez├╝glich Vitalit├Ąt und Krankheitsbefall unterwerfen muss.
  3. Im Rahmen des bislang geltenden Saatgutrechts war es schwierig, Saatgut alter Pflanzensorten ("Landsorten") in den Verkehr zu bringen, da die Sorten ├╝berwiegend nicht in der Lage sind, die hohen Anforderungen an die Registermerkmale (Unterscheidbarkeit, Homogenit├Ąt und Best├Ąndigkeit) und an den landeskulturellen Wert zu erf├╝llen. Da diese Sorten in besonderer Weise zur Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen beitragen k├Ânnen (Erhaltungssorten) wurde das Saatgutrecht im Jahre 2009 um die Erhaltungssortenverordnung erg├Ąnzt. Erhaltungssorten k├Ânnen danach in einem vereinfachten Verfahren zugelassen werden, wenn die Gefahr einer genetischen Erosion f├╝r die jeweilige Sorte zu bef├╝rchten ist. Eine Anerkennung des Saatgutes als Voraussetzung f├╝r das Inverkehrbringen ist nicht erforderlich, das Saatgut muss aber die gleichen Qualit├Ątsanforderungen wie ansonsten zertifiziertes Saatgut erf├╝llen.
  4. Auf Grundlage der Erhaltungssortenverordnung scheint es dem Verein daher sehr erfolgversprechend, ausgew├Ąhlte Kartoffelsorten mit einem regionalen Bezug zum Vogtland als Erhaltungssorte wieder in den Verkehr zu bringen zu d├╝rfen und damit die Tradition des Vogtlands als Wiege des feldm├Ą├čigen Kartoffelanbaus in Deutschland fortzuf├╝hren. Erfolgreiche Beispiele aus Bayern (BAMBERGER H├ľRNCHEN) sowie das Ergebnis einer intensiven Diskussionsrunde beim Bundessortenamt best├Ąrken uns bei der erfolgreichen Umsetzung dieses Vorhabens.
  5. Unabdingbare Voraussetzung f├╝r dieses Vorhaben ist jedoch eine "Gesundmachung" des Pflanzgutes, speziell die sogenannte "Virusfreimachung". Anerkannte moderne Labormethoden (in-Vitro-Verfahren) sind aus der heutigen Pflanzenz├╝chtung bekannt und werden erfolgreich angewendet. Gl├╝cklicherweise sind mehrere Mitglieder des Vereins diplomierte Pflanzenz├╝chter und verf├╝gen somit auch ├╝ber das entsprechende geistige Know-How. Alle ideellen Voraussetzungen f├╝r die erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens k├Ânnen durchaus als optimal eingesch├Ątzt werden.
  6. Was derzeit fehlt sind jedoch die materiellen Voraussetzungen, d.h. ein Labor, um keimfrei arbeiten zu k├Ânnen sowie ein Gew├Ąchshaus. Dar├╝ber hinaus w├Ąren damit auch die Voraussetzungen f├╝r die Z├╝chtung neuer Sorten auf der Basis alter historischer Sorten gegeben und es k├Ânnte die lange Tradition des Vogtlands bei der Verbreitung der Kartoffeln fortgesetzt werden.
  7. Im Jahr 2013 sind durch den Vogtl├Ąndischen Knollenring e.V. gemeinsam mit G├╝ndels Kulturstall die Voraussetzungen zu schaffen um die ben├Âtigten F├Ârdermittel zu beantragen.
Langfristig
  1. Die Initiativen zur Sicherung und Erhalt historischer Kartoffelsorten sollten genutzt werden eine eigene Marke, z.B. Vogtl├Ąndische Knolle anzumelden, unter der Vereinsmitglieder historische Kartoffelsorten vermarkten. Das Vogtland kann so zu einem Innovationszentrum f├╝r historische Kartoffelsorten entwickelt werden.

Praktisch

Kurzfristig
  1. Der Verein Vogtl├Ąndischer Knollenring e.V. f├╝hrt j├Ąhrlich im Herbst einen Kochwettbewerb um die Kartoffelkrone des Vereins durch. Teilnahmeberechtigt sind Mittelschulen des Vogtlandkreises. Das Wettbewerbskonzept ist gemeinsam mit den Verantwortlichen der Schulen weiter auszugestalten. Der Teilnehmer- und Publikumskreis ist zu erh├Âhen und die Verbindung von Kochwettbewerb und "Leistungsschau" der Schulen zu ├╝berpr├╝fen.
  2. Die Grundschule Eichigt wird auch k├╝nftig bei ihrem Projekt "Der kleine Bauer" unterst├╝tzt.
Mittelfristig
  1. Der Verein unterst├╝tzt und entwickelt weitere Projekte, welche der gesunden Ern├Ąhrung besonders der Kinder und Jugendlichen dienen.
  2. Der Verein bem├╝ht sich auch weiterhin um den Ausbau des Lehrpfades "Vogtl├Ąndischer Knollensteig" ├╝ber den Oelsnitzer Rundweg. Dabei ist vor allem die Gro├če Kreisstadt Oelsnitz, als wahrscheinlich eines der ersten Handelspl├Ątze f├╝r Kartoffeln einzubinden. Die Errichtung eines Schaugartens mit Kartoffeln, am Steig gelegen ist mit den Bewirtschaftern der Fl├Ąchen zu ,beraten. Zur Sicherung der Bestell-, Pflege- und Erntearbeiten k├Ânnte eine Vereinbarung mit einer Grundschule (analog Eichigt) getroffen werden.
  3. Gemeinsam mit dem Tourismusverband Vogtland e.V. ist ein spezielles Angebot rund um die Kartoffel zu pr├╝fen.
Langfristig
Bis heute gibt es kein Kartoffelmuseum, welches die Geschichte der Kartoffel und ihre heutige Bedeutung in Deutschland umfassend darstellen und angrenzende Traditionen, wie Th├╝ringer Kl├Â├če und B├Âhmische Kn├Âdel einbeziehen. Im Mittelpunkt sollte die vogtl├Ąndische Kartoffelgeschichte stehen. Hier ist mit der Stadt Oelsnitz die Zusammenarbeit zu suchen. Die Erarbeitung einer Konzeption in Zusammenarbeit mit dem noch einzustellenden Museumsverantwortlichen der Stadt Oelsnitz ist anzustreben.

Kulinarisch

Kurzfristig
  1. Die begonnene Sammlung historischer Koch- und K├╝chenliteratur setzen wir fort. Spannende und besonders kreative Rezepturen stellen wir auf unsere Webseite. Die Sammlung sollte eines Tages die Entwicklung einer historischen Sammlung von Kartoffelrezepten "Von den Anf├Ąngen bis heute" erm├Âglichen.
  2. Der Verein wird auch weiterhin auf regionalen und ├╝berregionalen Festen sich und das Vogtland pr├Ąsentieren. Die Zusammenarbeit ist diesbez├╝glich mit dem Tourismusverband Vogtland auszubauen und st├Ąrker sind ├Ârtliche Produzenten einzubeziehen.
Mittelfristig
  1. Gemeinsam mit der AGT ist an der Umsetzung der Idee einer Kartoffelmeile zu den stattfindenden Kartoffelfesten zu arbeiten.
  2. Die Stadt Oelsnitz werden wir unterst├╝tzen und als Mitorganisator des aller zwei Jahre geplanten Bauernmarktes auf Schloss Voigtsberg auftreten.
  3. Mit G├╝ndels Kulturstall ist die Gestaltung eines Kartoffelbl├╝tenfestes zu pr├╝fen.
Langfristig
Das der Ursprung der Kartoffel im Vogtland liegt sollte sich st├Ąrker in der Gastronomie des Vogtlandes widerspiegeln. Speisen in denen historische Sorten verarbeitet werden ist in ausgew├Ąhlten gastronomischen Einrichtungen zu einem vogtl├Ąndischen Markenzeichen zu entwickeln. Dazu ist der Kontakt mit der DeHoGa aufzunehmen. Die Verbindung Gastronomie zu ├Ârtlichen Produzenten ist Umsatz f├Ârdernd. Zu pr├╝fen w├Ąre die Verleihung einer ÔÇ×Goldenen KartoffelÔÇť an gastronomische Einrichtungen, die im Vogtland eine Vorreiterrolle spielen, denkbar mit Mitteln der Wirtschaftsf├Ârderung.
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